Was kostet ein professioneller Fotograf ?

Was kostet ein professioneller Fotograf(in), oder Anders gefragt,

was ist Dir ein professioneller Fotograf(in) wert ?



„Leider ist das für uns zu teuer“ – Das ist ein Satz den ich erst gestern wieder lese konnte. Und das, obwohl ich bevor ich mein Preisangebot mache, steht‘s nach den Vorstellungen der potentiellen Kunde frage. Ich bin dann etwas irritiert, denn augenscheinlich hat sich der Kunde im Vorfeld wohl doch Gedanken zum Budget gemacht.




Und obwohl man auf meiner Internetseite Angaben zu meinen Preisen nachvollziehen kann, melden sich interessierte Kunden und sind dann erstaunt, wenn diese Preise im Angebot wiedergespiegelt werden. – „Tut uns leid, aber das ist für uns zu teuer“


Naja, aber als Kunde hat man es auch nicht so leicht.


Wieviel kostet denn nun ein professioneller Fotograf(in) ?


Wenn man allein hier am Ort die Preise der ortsansässigen Fotografen vergleicht, wird man einige Unterschiede feststellen. Zur besseren Veranschauung nenne ich mal drei Beispiele aus dem Bereich Hochzeitsfotografie:


  • Fotograf(in) 1 bietet ein Hochzeitspaket* ab 850 € (5 Stunden vor Ort)

  • Fotograf(in) 2 bietet ein Hochzeitspaket* ab 590 € (2 Stunden vor Ort), jede weitere Stunde 220€

  • Fotograf(in) 3 biete ein Hochzeitspaket* ab 178,50 € (4 Stunden vor Ort), jede weitere Stunde 23,80€

*jedes Paket beinhaltet verschiedene Dienstleistungen, wie Bildbearbeitung, Bildbereitstellung etc.


Für wen würdest du dich, wenn du nur die Preisinformation hast, entscheiden ?

Schwierig, oder ? Wonach kann man sich dabei richten ?


Bevor ich nun auf die eigentliche Arbeit eines Fotografen eingehe, möchte ich Euch ein paar grundlegende Tipps und Anregungen geben:


1. Schaut Euch Arbeiten des Fotografen / der Fotografin an. (Internetauftritt, Soziale Medien etc.)

2. Gefällt Dir der Bildstil, die Bildsprache ?

3. Wirkt der Internetauftritt und die Bilder professionell ?

4. Wie haben Kunden den Fotografen, die Fotografin bewertet ? Gibt es überhaupt Rezensionen ?

5. Welche Dienstleistungspakete bietet der Fotograf, die Fotografin ?

6. Sind Bilder auf eine bestimmte Anzahl (Bildpakete) begrenzt, oder bekommst Du alle Bilder ?

7. Werden Dir die Bilder auch Online (Cloud) zur Verfügung gestellt, oder musst Du dir ein CD-Laufwerk auf dem Flohmarkt kaufen ?

8. Wie lange musst Du auf Deine fertigen Bilder warten ?

9. Welche zusätzlichen Dienstleistungen werden angeboten?

a. Fotobuch, Bildabzüge, Poster -und/oder Leinwand etc.

10. Stimmt die Sympathie zwischen dem Fotograf, der Fotografin und Dir ?


Es gibt sicherlich noch mehr Dinge die man beachten könnte, aber ich denke die wesentlichen sollten genannt sein und letztlich sind es nur Anregungen.


Okay, kommen wir nun zur Kosten-Leistungs-Rechnung, oder anders gesagt, wie entstehen meine Preise. (Beispielhaft)


Wie man fälschlicherweise annehmen könnte beginnt die Arbeit des Fotografen nicht erst, wenn der Auslöser klickt, sondern viel früher.


Nehmen wir zum Beispiel meine Internetseite.



Ohne Internetseite wüsste niemand welche Arbeiten/Dienstleistungen ich anbiete, wer ich überhaupt bin und welches Portfolio ich habe. Da ich kein Webdesigner bin, greife ich auf ein Baukastensystem eines Webseitenanbieters zurück. Das macht’s für mich schon etwas einfacher, aber das Layout, die Texte und Bilder stammen aus meiner Feder. Das bedeutet, dass für einen vernünftigen Internetauftritt einiges an Zeit investiert werden muss. Diese Zeit bezahlt natürlich niemand. Dennoch entstehen dabei Kosten, die gedeckt sein müssen.


Nächstes Beispiel Fototechnik:


Damit ich den Auslöser für Eure Hochzeit drücken kann, brauch ich zwei(!) vernünftige und zuverlässige Kameras mit den entsprechenden Objektiven. Warum ich mit zwei Kameras arbeite ? Das erspart mir zum einen die Objektivwechsel und zum anderen habe ich immer ein Backup, falls eine Kamera mal ausfällt. Ist mir zwar noch nicht passiert, aber während eines Hochzeitsshootings gehe ich kein Risiko ein.




Die Anschaffung einer Vollformatkamera inkl. Zubehör liegt irgendwo zwischen 2000€ und 4000€. Wohl gemerkt ohne Objektive ! Ein gutes Objektiv, nehmen wir als Beispiel ein 24-70mm/F2.8, liegt zischen 1300€ und 1800€. Dann hat man noch eine Festbrennweite/F1.4, ein Weitwinkel/F2.8 und ein Tele (70-200mm/F2.8) dabei. Die Blitze, die Reflektoren, die Softboxen sollten wir auch noch erwähnen. Das alles grob zusammengerechnet hat einen Materialwert von 6000€ - open end. Dieses Geld hab ich bereits ausgeben, wenn ich zu Eurer Hochzeit komme. Natürlich wird der Wert nicht 1:1 auf den Kunden umgelegt, aber einen gewissen Anteil muss man davon einfließen lassen, damit man die eigenen Kosten irgendwann wieder drin hat.


Jetzt könnte man darüber streiten, ob eine teure Vollformatkamera sein muss, oder nicht. Ich finde der Kunde – Du – hat die beste Qualität verdient und man sieht den Unterschied!


Klar, das gut geschulte Auge macht gute Bilder, aber eine gute Kamera liefert die nötige Qualität. Den Unterschied kann auch ein ungeübtes Auge erkennen. Schaut Euch einfach mal das Portfolio verschiedener Fotografen an.


Aber weiter im Text....


So, nun habe ich Euren Hochzeitstag im Kasten und bin auf dem Weg nach Hause.

Aber bevor jetzt jemand denkt die Arbeit ist geschafft, den muss ich enttäuschen, denn jetzt beginnt der zeitlich gesehen aufwendigste Teil. In den 8 Stunden, die ich auf Eurer Hochzeit fotografiert hab, sind ca. 1500 – 2000 Bilder entstanden. Jedes Bild muss gesichtet, kategorisiert, bewertet und ggf. bearbeitet werden. Dabei ist es zunächst egal, ob es die Portraits, die Empfangsbilder oder die Gruppenaufnahmen sind. Der Workflow ist im ersten Schritt bei mir immer gleich. Sichten, bewerten, weiterbearbeiten.

Allein die Bearbeitungszeit der Bilder wird bei einer 8-Stunden-Hochzeit ca. 10-14 Stunden in Anspruch nehmen. Nicht eingerechnet ist hierbei die An- und Abreise zur Veranstaltung und andere Kundenwünsche wie Bildbestellungen (Poster, Leinwand etc).

Insgesamt werde ich dann ca. 22 Stunden mit dem Fotografieren und der Bearbeitung zu tun haben.





Achso, für die Bearbeitung braucht man ja auch einen Computer, auch der hat mal etwas gekostet. Bitte nicht falsch verstehen, ich versuche nur aufzuzeigen, wie ich meine Preise kalkuliere und was dabei alles eine Rolle spielt um kostendeckend zu arbeiten. Das komplizierte Thema Steuer werde ich an dieser Stelle nicht weiter vertiefen, aber ich möchte es auch nicht unerwähnt lassen.


Natürlich ist meine Preiskalkulation nicht auf jeden Fotografen übertragbar, aber ich denke es ist deutlich geworden, welcher Aufwand und welche Kosten mit einem Fotoauftrag verbunden sind. Deshalb kann ich mir auch nicht vorstellen, dass ein vierstündiges Hochzeitspaket für knapp 180€ kostendeckend für den Fotografen funktioniert. Aber billiger geht’s ja immer....


Bei all dem ganzen Kosten-Leistungs-Rechnungen möchte ich einen für mich noch ganz wesentlichen Punkt allerdings nicht vergessen. Den Spaß und die Freude die mir das Fotografieren bereitet.


Das ist und bleibt unbezahlbar !

Liebe Grüße

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